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(Dokumentarfilm, 2012, 104 Min., HD)


Tacheles reden: (dem Jiddischen Wort Tachles/Ziel, Zweck entlehnt) - Unverhüllt, ohne falsche Rücksichtnahme seine Meinung sagen.

Eine Dokumentation über die letzte anarchische Künstlerbastion in der Mitte Berlins und die wechselhafte Geschichte des Hauses, welche eng mit der deutschen Geschichte und der Geschichte einer geteilten Stadt verknüpft ist. Eineinhalb Jahre wurde der Kampf der Künstler gegen die drohende Zwangsräumung dokumentiert. Außerdem finden zahlreiche Archivmaterialien angefangen beim Bau des Hauses als Kaufhaus 1908 sowie Zeitzeugenberichte im Film Platz. Im Mittelpunkt steht die Gründungsidee des Kunsthauses, die von der ostdeutschen Free Jazz Gruppe "Tacheles" ausging.
Zwischen Juli 2010 und März 2012 entstanden ca. 40 Stunden an Filmmaterial, um den Kampf der ansässigen Künstler gegen die Räumung des Kunsthauses zu dokumentieren, aber auch, um ein historisches Portrait zu schaffen, welches sich vor allem mit der Frage der Gründungsidee des Tacheles auseinandersetzt. Die Besetzung erfolgte im Umfeld der ostdeutschen Free Jazz Gruppe „Tacheles“, einem Zusammenschluss verschiedener bekannter Punk- und Bluesbands der früheren DDR. Die Idee des Free Jazz (auch mit klassischen Elementen sowie Rock-Elementen versetzt) ist es, zu akzeptieren, was der andere ist und was er musikalisch tut und darauf aufbauend seinen eigenen Stil dazu zu spielen, so dass das Ergebnis Sinn macht, eine Struktur zu kreieren, ohne eine statische Führung.
Der Film wird unter anderem getragen von alten Aufnahmen der Tacheles-Band, um die Wände sprechen zu lassen. Die Idee des „Tacheles“ ist nicht nur die Idee eines Hauses oder einer Musikgruppe, es geht um eine Kunstrichtung. Nichtsdestotrotz repräsentiert das Haus eine Vielzahl an Symbolen. Es steht für die Wunden des zweiten Weltkrieges, für 40 Jahre DDR-Geschichte in denen erst der Großteil des Hauses gesprengt wurde, sowie auch für die Freiheit im Berlin der frühen 90er Jahre.
Nicht zu vergessen sei auch, dass es sich bei dem Haus (Baujahr 1908), ansässig im damaligen jüdischen Viertel rund um die Oranienburger Straße, um eine der luxuriösesten Einkaufspassagen Europas handelte die aber schon nach einem halben Jahr bankrott ging. All dies wird Teil der Frage sein, was es mit dieser eigenartigen Tacheles-Kunst auf sich hat. Was hat sich hier in den 21 Jahren des Kunsthauses entwickelt, abgesehen davon, dass es eine weltweit bekannte Touristenattraktion ist. Der Film wird mit dem Fall der Berliner Mauer 1989 beginnen und mit dem Bau einer neuen Mauer enden, die die Künstler vom öffentlichen Raum abschneiden und den Besitzanspruch der Investoren manifestieren soll. (Redaktion, Kamera, Schnitt: Falko Seidel; Zweite Kamera: Daniel Goede; Musik: Leo Kondeyne)